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Job-Killer KI? Wir haben mehr als 30 davon eingestellt.
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Job-Killer KI? Wir haben mehr als 30 davon eingestellt.

Ralf Thode·

Während Deutschland den ZDF-Bericht schaut, passiert bei uns etwas anderes.


Es gibt eine Szene in der ZDF-Reportage „Am Puls", die mich nicht loslässt. Wirtschaftskorrespondent Florian Neuhann ist in San Francisco, trifft deutsche KI-Gründer, und stellt die naheliegende Frage: Wie bringt man das amerikanische KI-Mindset zurück nach Deutschland?

Die deutschen Gründer lachen.

Nicht böse. Nicht arrogant. Einfach — sie lachen. Weil die Frage für sie offenbar so weit weg ist von ihrer täglichen Realität, dass sie kaum ernst nehmen können, dass sie anderswo noch gestellt wird.

Ich habe beim Anschauen an uns gedacht. An die THOR Holding. Weil wir nicht mehr fragen, ob KI Jobs gefährdet. Wir fragen: Was läuft heute gut, was müssen wir morgen verbessern?


Was das ZDF-Video richtig beschreibt

Die Reportage ist sehenswert, und fair: Sie zeigt die Angst der Kinderbuchillustratoren, die sinkenden Auftragsvolumina spüren. Den technischen Redakteur, dessen Anleitungen bald schneller generiert werden, als er sie schreiben kann. Und die Zahl, die sich einbrennt: 66 Prozent der Deutschen glauben, dass KI Jobs vernichtet. Nur 5 Prozent glauben, dass neue entstehen.

Das ist kein Phänomen, das man wegdiskutieren sollte. Routine-Tätigkeiten stehen unter Druck — das ist wahr. Wer heute noch so arbeitet wie vor drei Jahren, ohne zumindest zu verstehen, was KI in seinem Bereich kann, riskiert etwas.

Aber das Video stoppt an der falschen Stelle.


Was im Video fehlt — die Innenperspektive

Die Reportage zeigt Menschen, die über KI nachdenken. Sie zeigt Experimente. Sie zeigt Angst und Faszination.

Sie zeigt nicht, wie ein Unternehmen aussieht, das KI nicht diskutiert, sondern täglich einsetzt.

Bei der THOR Holding arbeiten wir mit einem Team aus mehr als 30 spezialisierten KI-Assistenten — verteilt über mehrere Unternehmen unserer Gruppe. Keine Spielzeuge. Keine Demos. Keine Pilotprojekte.

Daria ist unsere Leiterin Finanzbuchhaltung. Sie bearbeitet Belege, unterstützt bei der Vorbereitung von Jahresabschlüssen, hält Fristen im Blick. Sie macht das nicht perfekt — kein Mitarbeitender tut das — aber sie macht es zuverlässig, rund um die Uhr, und sie wird besser. Monat für Monat.

LEGAL.THOR, unsere Rechtsabteilung, arbeitet mit acht spezialisierten juristischen Assistentinnen — von Arbeitsrecht über Datenschutz bis Wirtschaftsstrafrecht. Sie analysieren Verträge, bereiten Fälle auf, formulieren erste Entwürfe. Bewusst haben wir uns hier für Anthropics Claude entschieden, nicht für Google oder OpenAI — weil das Modell für präzise, verantwortungsvolle juristische Arbeit besser geeignet ist. Auch das ist eine Entscheidung, die man treffen muss: Nicht jede KI ist für jede Aufgabe die richtige.

Was uns überrascht hat? Beide arbeiten deutlich besser, als wir zu Beginn angenommen hatten. Das sagt jemand, der anfangs sehr skeptisch war.

Und wir wachsen. Mit dem Vitalhotel Schulenberg haben wir gerade ein kleines Harz-Hotel in die Gruppe aufgenommen — und auch dort profitiert das Team von KI-Unterstützung, ohne dass wir deswegen Personal abbauen. Im Gegenteil: Die Kapazitäten, die KI freisetzt, stecken wir in Dinge, die Menschen wirklich gut können. Gästekommunikation, Entscheidungen, Beziehungen.


Das eigentliche Risiko — und es ist nicht das, was Sie denken

Das ZDF-Video stellt die falsche Frage. Nicht: Nimmt mir KI meinen Job?

Die richtige Frage ist: Verliere ich mein Geschäft an Unternehmen, die KI einsetzen — während ich noch darüber nachdenke?

Das ist der Unterschied. Ein Wettbewerber, der mit KI-Unterstützung arbeitet, analysiert Verträge schneller, schreibt Angebote schneller, bearbeitet Buchhaltung schneller, reagiert auf Kundenanfragen schneller. Nicht weil er klüger ist. Nicht weil er mehr Mitarbeitende hat. Sondern weil er das Werkzeug nutzt.

Astro Teller von Googles Moonshot Factory sagt es im Video mit einer Metapher, die stimmt: „Hol dir ein Surfbrett und lern surfen — oder der Tsunami überrollt dich."

Das bedeutet nicht, blind auf jeden KI-Trend aufzuspringen. Es bedeutet, jetzt anzufangen zu verstehen, was in Ihrem Bereich möglich ist.


Was KMU-Inhaber jetzt konkret tun können

Keine Motivationsliste. Nur vier Fragen, die sich lohnen:

1. Welche Aufgaben in Ihrem Betrieb sind reine Routine?

Belege sortieren, Standardantworten formulieren, Termine koordinieren, Berichte zusammenfassen. Das sind die Kandidaten. Schreiben Sie sie auf.

2. Welche dieser Aufgaben kosten Ihre besten Leute die meiste Zeit?

Nicht welche Aufgaben sind unwichtig — welche blockieren die Menschen, die eigentlich für etwas Wichtigeres gebraucht werden?

3. Wie viel würde es kosten, dort KI auszuprobieren — für einen Monat?

Meistens: wenig. Die meisten Tools haben Einstiegspläne unter 50 Euro monatlich. Das Risiko liegt eher in der Einrichtungszeit als im Preis.

4. Was wäre in einem Jahr anders, wenn Sie heute anfangen?

Das ist die eigentliche Frage. Nicht „Soll ich KI einsetzen?" — sondern: Wo wollen Sie in zwölf Monaten stehen?


Warum wir nicht gelacht haben — und was das mit San Francisco zu tun hat

Die deutschen Gründer in San Francisco lachen, weil die Frage nach dem „deutschen Mindset" für sie längst beantwortet ist: Man ändert es, indem man aufhört zu fragen, ob man es ändern soll.

Wir bei THOR haben nicht darauf gewartet, bis KI „ausgereift" ist. Wir haben angefangen. Haben Fehler gemacht. Haben nachgebessert. Haben gelernt, welche Modelle für welche Aufgaben taugen. Haben ein Team aufgebaut, das jeden Monat besser funktioniert.

Das ist keine Silicon-Valley-Romantik. Das ist Unternehmertum.

66 Prozent der Deutschen befürchten, dass KI Jobs vernichtet. Ich verstehe diese Sorge. Aber ich bin überzeugt: Das größere Risiko sitzt nicht in der Technologie — es sitzt im Abwarten.


Sie fragen sich, wo Sie mit KI in Ihrem Betrieb anfangen sollen? Sprechen Sie mit uns — wir teilen gerne, was bei uns funktioniert hat und was nicht.


Quellen & Hinweise

  • ZDF „Am Puls" — Job-Killer KI: Werden wir ersetzt? (Mai 2026): https://youtu.be/kMCWIkNDaYk
  • ZDF Politbarometer: Repräsentativbefragung zur KI und Arbeitsmarkt, zitiert im Video
  • Stanford University Studie zur Beschäftigung in KI-nahen Berufen seit 2022, zitiert im Video
  • Astro Teller (Moonshot Factory / Alphabet): Interview im Video, San Francisco 2026
Ralf Thode — Founder & CEO, THOR Holding GmbH

Ralf Thode

Founder & CEO, THOR Holding GmbH

Seit fast 40 Jahren in der Digitalisierung unterwegs. Führt die THOR Holding mit Beteiligungen in IT, Gesundheit und Immobilien. Seit dem ChatGPT-Moment Ende 2022 baut er mit KI-gestützten Teams an einer neuen Art, Unternehmen zu führen. Gehört nach eigener Aussage zu den „alten Säcken“ der Statistik — aber zu denen, die noch nicht fertig sind.

Text: Ida Lund (Ghostwriting) · Bild: Signe Nordahl · Social Media: Jannik Reeves